China. Yongan, ein Dorf in Shanxi
Meine Reise mit Familie Zhang
Die Reise nach China war die fremdartigste, die berührendste,
und die herzlichste aller Reisen.
Alles war komplett anders als in Europa, als in Österreich.
Die Landschaft, die Häuser, die Musik, der Geschmack, die Art
miteinander zu reden, das Essen, sogar die Kartoffelstücke in
der Suppe waren nicht wieder zu erkennen. Ich dachte ich sei in einem
Film. Schon im Flugzeug von Beijing nach Taiyuan war ich die einzige
Europäerin. Dann der Empfang im Dorf, alle waren sehr herzlich,
auch ohne Umarmungen, das macht man hier nicht. Die Mutter und die
Schwestern von Su Ping hatten mir ein Kopfkissen und eine rote Decke
mit Drachen genäht. Ich bekam das größte Bett und
die Fenster hatten mit Papier beklebte Holzschnitzereien. Su Pings
Kinder, 2 und 4 Jahre alt alt, gewöhnten sich sehr schnell an
dieses andere Leben. Sie spielten mit ihren Cousins und Cousinen,
die einen sprachen französisch und die anderen chinesisch, ganz
ohne Probleme. Ich saß im Hof des Hauses, das ganze Leben spielte
sich hier ab, Leute kamen und gingen, das Essen wurde auf einem niedrigen
runden Tisch serviert, die Kinder spielten und die Urgroßmutter
saß daneben und schaute zu. Ich hatte Probleme, weil ich nicht
so hocken konnte wie die anderen und jedesmal, wenn ich mich auf
die staubigen Stufen setzen wollte, wurde mir sofort ein kleiner
Schemel untergeschoben. Man achtet viel mehr auf Sauberkeit. Im großen
Zimmer bekam ich vom Vater den Platz gegenüber der Tür
zugewiesen, es ist der Ehrenplatz. Wenn wir durch das Dorf oder durch
die kleine Stadt in der Nähe gingen, wurde ich mit neugierigen
Augen verfolgt.
Die Fotos entstanden so nebenbei. Wenn man die Sprache nicht versteht,
hat man mehr Zeit um zu beobachten. Kein Foto entstand ohne Einwilligung.
Zum Abschied bekam ich von Su Pings Mutter das größte
Geschenk – ein Kopfkissen, das sie für mich genäht
hatte.
Angelika Kampfer, Text zur Ausstellung in Claix, Grenoble 2004






